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Beruf Wissenschaftskommunikation

Wie lange brauchen wir noch Journalisten?

Die wichtigsten PR-Themen im kommenden Jahr

Früher führte der Weg in die Öffentlichkeit vor allem über eine Schwelle: die Journalisten. Egal ob man mit einer wichtigen Nachricht die Weltöffentlichkeit erreichen, eine Veranstaltung am Ort ankündigen oder Geldgeber von den Qualitäten des eigenen Instituts beeindrucken wollte – zuerst galt es, die große Hürde nehmen: wenigstens einen Journalisten überzeugen, dass die eigene Botschaft eine gute Story ist.

Spätestens mit der Verbreitung des Internets ist das vorbei. Der Weg direkt zu den Zielgruppen ist für jeden Forschungssprecher offen, soziale Netzwerke tun ein Übriges, schaffen Communities von Gleichgesinnten, Interessenten und Followern – Alternativen zu dem Weg über die Medien. „Mitunter verzichtbar und häufig desinteressiert“ so beschreibt die dpa-Tochter „News aktuell“ die Rolle der Journalisten heute. Sie fasst damit das Ergebnis ihres „PR-Trendmonitor 2011“ zusammen, der zeigt, dass jede zehnte Unternehmens-Pressestelle Redaktionen nicht mehr für zwingend notwendig hält um ihre Botschaften erfolgreich zu kommunizieren. Schluss mit dem Diktat gelangweilter Journalisten, die ihren Lesern nichts weitergeben wollen, was sie nicht ganz persönlich interessiert, die glauben, als Einzige zu wissen, was wichtig und unwichtig in unseren Zeiten ist – und oft genug dabei doch nur die Interessen des eigenen Mediums im Auge haben.

Spannende Ergebnisse, die man sich anschauen und darüber nachdenken muss. Wer als Forschungssprecher jetzt nicht anfängt über Web 2.0 und soziale Netze zu kommunizieren – und jetzt nicht aufhört, sich „Pressesprecher“ zu nennen, der droht den Lauf der Zeit zu verschlafen. Denn auch die Journalisten informieren sich mehr und mehr in sozialen Netzen, wie die Cision-Studie 2011 zeigt, selbst wenn die deutschen Kollegen da noch Nachzügler sind. Das World Wide Web ist nicht alles, aber ohne WWW, Facebook und Twitter ist eben alles nichts.

4 Antworten auf „Wie lange brauchen wir noch Journalisten?“

Ich denke, es gilt sich den Tatsachen zu stellen. Und die heißen: Die Ex-Cathedra-Medien verlieren an Bedeutung, die Sozialen Netze gewinnen rasant bei Information und Meinungsbildung. Da hilft kein Kampf gegen Windmühlenflügel, sondern nachdenken, schlussfolgern und sich umstellen, möglichst sich sogar an die Spitze der Bewegung setzen (ich nenne dies: das Gorbatschow-Prinzip).
Qualitätsjournalismus muss neue Rollen finden, wenn er nicht nur in Nischen überleben will. Das gleiche gilt für die Wissenschaft, wenn sie ihre Bedeutung für die Gesellschaft behalten will: Wir sind in der Informationsgesellschaft inzwischen angekommen, wo nicht mehr so sehr gilt, was jemand tut, sondern was davon wahrgenommen wird. Wer da nicht professionell kommuniziert, verliert – da sitzen Wissenschaft und Journalisten im gleichen Boot.

Die Frage ist, wer „wir“ ist. Die Demokratie zum Beispiel braucht Öffentlichkeit und Öffentlichkeit herstellen für relevante Themen ist EINE der Funktionen von Journalismus. Insofern kann Wissenschaft Journalismus nicht ersetzen, weil sich das System in seinen Wirkungen auf die Gesellschaft schon aus logischen Gründen nicht selber beobachten kann. Wohl aber kann sich Journalismus auflösen, wenn niemand mehr seine Funktion anerkennt, die Geschäftsmodelle erodieren und Journalisten nicht mehr Journalismus betreiben, sondern unterhalten, moderieren oder einen Fanclub für die Wissenschaft gründen. Was dann passieren würde ist die Frage, die wirklich interessant ist und die zu diskutieren lohnen würde. Was wir brauchen, sind Kompetenzzentren für professionellen Journalismus, nicht immer mehr Wissenschafts-PR. Die Wissenschaft und „wir“ Wissenschaftsjournalisten sowie die Verlage sind gerade dabei, eines davon samt seinem professionellen Personal gehen zu lassen, weil alle lieber in Socia-Media investieren. Ich rede von der Initiative Wissenschaftsjournalismus, mit das Beste, was an Professionalisierung im Bereich Wissenschaftsjournalismus bisher zu haben war.
Gute Idee mit dem Blog. Viel Erfolg.

Wir brauchen exakt so lange Journalisten wie es eine akzeptable Antwort auf die Frage gibt, wozu man uns braucht. Was können Journalisten liefern, das über die reine Information hinausgeht?

Die naheliegendsten Antworten sind halt Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit. Aber damit das funktioniert reicht es natürlich nicht aus, sich das gegenseitig in Sonntagsreden und bei Preisverleihungen zu erzählen, da sind konsistent Integrität und Qualität im Tagesgeschäft gefragt.

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