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Best und Worst Practice

Das Life-Projekt, Teil 12 – Ein Exkurs zur Sommerflaute

Entdeckung in der Sommerflaute – Spuren des Higgs-Bosons. (Bild: CERN)

Lieber Herr Reinboth,
bedingt durch die Sommerflaute erscheint diese Folge des Live-Projekts mit einem Tag Verspätung. Sorry, aber Sie kennen das sicherlich: Ferien, alle sind in Urlaub, die Wissenschaftler am Institut und die Journalisten; nicht einmal jemand da, mit dem man eine Meldung abstimmen könnte. Und wenn, dann ist er überlastet, alles strömt auf ihn ein und nichts läuft wie gewohnt, denn auch für ihn gilt: Alle sind in Urlaub.
Doch für geschickte Kommunikationsprofis bietet die Sommerflaute einige dicke Chancen: Wenn niemand da ist, passiert auch nichts – doch auch wenn nichts passiert, müssen Zeitungen und Nachrichtensendungen gefüllt werden. Sie leben von Tag zu Tag. Die verfügbare Zeit, der Raum, liegen fest oder werden durch andere Faktoren bestimmt (zum Beispiel durch den Umfang der Werbung). An Tagen, an denen viel los ist, fallen notgedrungen auch Ereignisse unter den Tisch, über die sonst eigentlich berichtet worden wäre. Und umgekehrt.

Seitenlichtfasern bei HarzOptics.

Warum also nicht die Sommerflaute nutzen, um gerade jetzt mit Themen, die nicht an eine absolute Aktulität gebunden sind, an die Medien zu gehen. Die Chancen, dass sie größeren Widerhall finden, sind derzeit viel besser, als zu den meisten anderen Zeiten des Jahres (Ein Tipp: Es gibt in den Redaktionen noch eine zweite Flautezeit des Jahres: nach den Feiertagen im Januar). Es war sicher kein Zufall, dass die geschickten PR-Profis des CERN die offizielle Bestätigung des Higgs-Teilchens gerade auf Anfang Juli gelegt haben (die „wahrscheinliche“ Entdeckung hatten sie ja schon letztes Jahr verkündet ((Link: http://wp.me/p1XAlm-40)), erste öffentliche Hinweise gab es – honi soit qui mal y pense – 2011 in der Sommerflaute). Sie sind schon mit allen Wassern gewaschen, die Kollegen vom CERN, in Sachen Strategische Kommunikation kann man viel von ihnen lernen. Nicht dass das Higgs-Boson sonst nicht in die Medien gefunden hätte, aber die Medien konnten durch die Sommerflaute diesem Ereignis viel mehr Platz einräumen als in turbulenten Zeiten.

Christian Reinboth, Mitgründer von HarzOptics

Was kann man selbst tun, um das Sommerloch zu nutzen? Früher war diese Zeit eindeutig von Nessi besetzt, dem Ungeheuer von Loch Ness. Doch das ist den Medien mittlerweile zu langweilig geworden. Wissenschaft – mit Verlaub – ist da meines Erachtens eine weit bessere Alternative: Um sie zu nutzen, muss man als Forschungssprecher zunächst einmal zwischen absoluter und relativer Aktualität unterscheiden: Absolute Aktualität muss sofort bearbeitet werden. Wenn etwa ein Unfall passiert, wenn ein Institutsgebäude abbrennt, wenn ein Minister zu Besuch ist oder sonst etwas öffentlich Wahrnehmbares passiert – auch die Reaktion auf eine politische Entscheidung oder die Veröffentlichung in einer wichtigen Fachzeitschrift gehören dazu.
Relative Aktualität ist, wenn man selbst bestimmen kann, wann etwas öffentlich wahrnehmbar wird. Man hat sozusagen selbst in der Hand, wann etwas aktuell ist. Das kann die Einweihung eines wichtigen Forschungsinstruments sein, die Ehrung eines hochrangigen externen Forschers, oder auch nur die Pressemitteilung zu einem neuartigen, spannenden Forschungsprojekt (muss schon wirklich spannend sein, denn sonst sollte man sich mit Projekten eher zurückhalten). Nur diese Themen relativer Aktualität kommen natürlich für den Einsatz in der Sommerflaute in Frage.
Auch Veranstaltungen kann man gezielt auf diesen Zeitraum legen, wenn man es geschickt anpackt, kommt viellecht sogar der Minister (da sollte man natürlich vor Terminfestlegung klären, dass er/sie nicht gerade in Urlaub ist), der sonst schon immer gern wollte, aber in seinem engen Terminkalender nie die Zeit gefunden hat. Das wäre dann ein Bonbon für regionale Journalisten, an dem sie in der flauen Zeit kaum vorbeikommen, während sie sonst auf die Veranstaltung vielleicht verzichten hätten.
Auch Forschungsergebnisse kann man in dieser Zeit gut per Pressemitteilung kommunizieren, die wissenschaftlich vielleicht schon längst durch alle Publikationskanäle gelaufen sind, aber in den Publikumsmedien noch nicht wahrgenommen wurden. Ein aktueller Anlass findet sich immer, sei es eine Buchveröffentlichung, ein Vortrag – oder vielleicht ein Interview mit einem Journalisten (geschickt eingefädelt). Der Nachteil der Sommerflaute ist natürlich, dass auch die Medienauflagen, die Einschaltquoten und Zuschauerzahlen in Zeiten der Sommerflaute geringer sind. Das bedeutet: In den Medien wird größer berichtet, aber die Leute, die es sonst lesen/hören/sehen, sind zum großen Teil ebenfalls in Urlaub. Da muss man sorgfältig abwägen.
Doch die Sommerferien sind in Deutschland so breit über die Monate Juni bis September verteilt, dass man – zumindest mit überregional relevanten Themen – immer eine Chance hat, gerade in den anderen Regionen das gesamte Publikum zu erreichen. Wenn die einen in Ferien gehen, sind die anderen noch lange oder schon wieder zu Hause. Außerdem gibt es genug Wissenschaftsthemen, die – einmal geschickt in die Welt gesetzt – wochen-, monate- oder sogar jahrelang kursieren und somit immer wieder auf das eigenen Institut aufmerksam machen. Ich erinnere mich an eine Meldung aus einem Forschungsprojekt zur Neurowissenschaft am Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS). Der Tenor lautete: „Tiefe Männerstimmen sind nicht immer sexy“. Die erste Meldung dazu erschien Anfang 2007, ein dpa-Interview löste einen wahren Boom aus. Laut Google kursiert diese Meldung auch heute noch immer im Internet.
Bis zum nächsten Dienstag
Ihr Reiner Korbmann

2 Antworten auf „Das Life-Projekt, Teil 12 – Ein Exkurs zur Sommerflaute“

Lieber Herr Korbmann,

wie Sie an meiner spärlichen Kommentierung der letzten Wochen sicher schon bemerkt haben, bin auch ich voll im Sommerloch versackt. Mehrere Projekt-Deadlines auf einmal, eine inzwischen hochschwangere Ehefrau und ein noch immer nicht gänzlich abgeschlossener Wohnungsumzug haben dafür gesorgt, dass ich die Öffentlichkeitsarbeit wieder mal sträflich vernachlässigt habe – selbst in unserem Instituts-Blog ist seit dem 23.07. schon kein neuer Artikel mehr erschienen. Mich ärgert das. Klar, es gibt natürlich immer eine Ausrede – aber letzten Endes gehört man durch das Liegenlassen wichtiger Aufgaben vielleicht irgendwann doch noch zu den Unternehmern, die sich fragen was eigentlich passiert ist (Sie kennen die Phrase aus dem BWL-Lehrbuch von Kotler vermutlich: Es gibt Unternehmer, die etwas bewegen, Unternehmer, die beobachten was passiert und Unternehmer, die sich irgendwann fragen, was eigentlich passiert ist…).

Da ich mich nun aber endlich mit einiger Mühe aus meinem persönlichen Sommerloch freigekämpft habe, möchte ich es nicht versäumen, auch den Faden dieses lehrreichen Live-Projektes wieder aufzunehmen und mich gleich in die erste Frage stürzen: Gibt es eigentlich auch so etwas wie ein „Winterloch“? Gehört habe ich davon zwar noch nie – doch auch während der Zeit Ende Dezember / Anfang Januar nehmen sich ja bekanntlich viele Menschen frei; gleichzeitig stehen mit Weihnachten und Neujahr natürlich auch Feiertage an, während derer man mit Wissenschafts-Nachrichten vermutlich kaum einen Redakteur hinter dem Ofen hervorlocken kann… Gibt es also auch außerhalb des Sommers Wochen, in denen man mit Pressemitteilungen auf größeres Gehör stoßen kann?

Die Frage erfolgt ürigens nicht ohne konkreten Hintergrund: Nachdem wir nun endlich vor einigen Wochen die vollständigen Materialien für unseren neuen Optik-Fernlehrgang bei der ZFU zur Zulassung einreichen konnten, hoffen wir, in den kommenden zwei oder drei Monaten eine solche Zulassung zu erhalten. Diesen Zeitpunkt können wir uns natürlich nicht aussuchen – den Zeitpunkt, an dem wir die Einschreibungslisten für einen solchen Lehrgang öffnen aber natürlich schon, d.h. hier hätten wir zeitlichen Spielraum, den wir natürlich bestmöglich nutzen wollen. Überhaupt fallen mir zur Öffentlichkeitsarbeit für diesen Lehrgang noch etliche Fragen ein, denen wir uns vielleicht einmal zuwenden können, wenn der Lehrgang – hoffentlich – erfolgreich angelaufen ist…

Lange vorher erhalten Sie von mir auf jeden Fall noch die versprochene Übersicht unserer derzeitigen Vorhaben und „so gut wie fertigen“ Produkte im Bereich der LED-Beleuchtung, die sich vermutlich als ergiebigeres Betätigungsfeld erweisen dürften, wenn es um die Konzipierung von neuen Strategien der Öffentlichkeitsarbeit geht…

Mit freundlichen Grüßen

Christian Reinboth

Ihr Artikel ist nicht nur saisontauglich, sondern wirklich innovativ. Ausserdem ist mir als Unternehmerin sonnenklar, was Sie meinen. Potenzielle Kunden und andere Geschäftspartner könnten derzeit nicht weniger kommunikativ sein. Um nicht selbst von der Trägheit angesteckt zu werden, habe ich nicht nur einen neuen IT-Projektrettungsservice entwickelt, sondern vor ein paar Tagen auch noch ein kostenloses Online-Analyse-Tool auf der Website veröffentlicht. Aber selbst Google AdWords scheinen langsamer zu funktionieren als sonst.

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