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Wissenschaft und Kommunikation

Durchbruch oder Traum – Tschira-Stiftung gründet Institut für Wissenschaftskommunikation

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10 Millionen für Wissenschaftskommunikation: Villa Bosch, Sitz der Tschira-Stiftung in Heidelberg

Das Ende der Blog-Pause und zugleich die Meldung der Woche, des Monats, des Jahres! Nach zehn Wochen Blogpause melde ich mich wieder. Und gleich mit einem Hammer: Die Klaus-Tschira-Stiftung fördert mit 10 Millionen Euro die Gründung eines „Nationalen Instituts für Wissenschaftskommunikation“. Eine hoffnungsfrohe Nachricht: Endlichbekennt sich jemand nicht nur in folgenlosen Festreden zu einer besseren Kommunikation der Wissenschaft, sondern nimmt kräftig Geld dafür in die Hand. Und er dreht gleich an einer entscheidenden Stellschraube, weshalb in Deutschland die Wissenschaftskommunikation so sehr im Argen liegt: Es fehlt an professioneller Ausbildung und an Fortbildung für die Kommunikatoren.

Das Nationale Institut für Wissenschaftskommunikation, gleich zu Beginn mit dem zugkräftigen Kürzel „NaWik“ ausgestattet, wird am Karlsruher Institut für Technologie KIT entstehen. Ein guter Ort, der bisher noch kaum vorbelastet ist, weder durch Platzhirsche, durch Eitelkeiten einzelner Institutsdirektoren oder durch Besitzstandsdenken bestehender Einrichtungen. Selbst die biederen Ergebnisse des KIT-Projekts „InsideScience“ dürften kein Hemmschuh sein. Schon im Oktober dieses Jahres soll das Institut den Lehrbetrieb aufnehmen. Und KIT-Präsident Horst Hippler sieht bereits Karlsruhe als Zentrum einer neuen Disziplin: „Unser Ziel ist es, Wissenschaftskommunikation als neues Forschungs- und Lehrgebiet am KIT zu etablieren.“

Klaus Tschira
Der Stifter: Klaus Tschira

Noch ist allerdings ziemlich unklar, was genau am „NaWik“ passieren wird. Selbst der oder die verantwortliche Wissenschaftler bzw. Wissenschaftlerin steht noch nicht fest. Ausbildung und Fortbildung? Während Stifter Klaus Tschira, der einst den Sotwarekonzern SAP mitgründete, gleichzeitig von Aus- und Weiterbildung spricht, sieht KIT-Präsident Hippler nur „Studiengänge“ am Horizont – was angesichts der Schwäche aller Hochschulen im Bereich Fortbildung eher andere Schwergewichte erahnen lässt.

Aus der Pressemitteilung geht auch nicht hervor, welche Ausbildung am Schluss im Mittelpunkt stehen wird, die für einen– neben guter Forschung – nebenbei auch bestmöglich kommunizierenden Wissenschaftler (so beides gleichzeitig überhaupt möglich ist), oder das benötigte Berufsbild eines professionellen Kommunikators, der für die Forscher – im besonderen Kulturumfeld Wissenschaft und mit allen Wassern des Komplexes Kommunikation gewaschen – das beste Kommunikationsergebnis erreicht. Die Beteiligung der Zeitschrift „Spektrum“ lässt zwar eher dilettierende Wissenschaftler erwarten, unter denen glücklicherweise immer wieder auch Naturtalente sind. Nun ja, wir werden sehen, wie sich das Konzept am Ende aussieht. Immerhin: Zum Wintersemester startet am KIT bereits ein Studiengang mit dem umfassenden Titel „Wissenschaft – Medien – Kommunikation“ unter dem man sich entsprechend vieles vorstellen kann.

Zur Blogpause: Sie war persönlich und beruflich bedingt. Jetzt geht es weiter mit dem gewohnten Engagement. Neue Pläne und spannende Informationsreihen stecken schon im Kopf.

3 Antworten auf „Durchbruch oder Traum – Tschira-Stiftung gründet Institut für Wissenschaftskommunikation“

Vielen Dank für die rasche Antwort!
Bei einer Sache muss ich wieder nachhacken: Die Ergebnisse eines Filmprojekts sind Filme. Die Ergebnisse eines Forschungsprojekts sind wissenschafltiche Papers. Soweit ich weiß, ist InsideScience kein Forschungsprojekt an sich sondern ein Filmprojekt im Rahmen der Öffentichen Wissenschaft (ohne PR-Getöse), was Heinz Haber sicherlich gefallen hätte. Wenn Sie nun bitte Ihren eigenen Kommentar noch einmal lesen würden…

Das mit Könneker habe ich heute erfahren, deswegen bin auch auf diesen Beitrag gestoßen.
Übrigens, ich finde Ihren Blog sehr interessant, selbst wenn (oder gerade weil) einige Sachen etwas umstritten sind. Aber dafür sind ja Blogs!

Noch eine letzte Sache.
Kennen Sie den Blog von Daniel Schulz und Anke Schmidt?
Da werden Sie und InsideScience im gleichen Blogbeitrag erwähnt:
http://www.knowciety.de/?p=65

Herzlichen Glückwunsch Maximus, exakt ein halbes Jahr nach Veröffentlichung ein kritischer Kommentar zu meiner ersten Nachricht über das NaWik. Ich dachte nicht, dass Blogposts nach so langer Zeit noch gelesen werden. Man kann sich täuschen. Auf jeden Fall musste ich selbst noch einmal nachsehen, um mich zu erinnern, was ich geschrieben hatte.
Doch Spaß beiseite: Wir sind uns einig zu Professor Haber und seinen Fernsehsendungen. Sie haben mich selbst geprägt und ich hatte das Glück, mit ihm am Ende seines Lebens noch eine Zeit direkt zusammenarbeiten zu können. Ich bin einer seiner großen Bewunderer, gerade weil ich ihn aus der Zeit und der Situation heraus verstehe, in der er gelebt und gearbeitet hat.
Einen Film, mag er noch so toll sein (da kann man unterschiedlicher Meinung sein) als Ergebnis eines Forschungsprojekts würde ich nicht gerade als großartiges Resultat bezeichnen (würde Haber wahrscheinlich auch nicht). Vielleicht ist das Wort „bescheiden“ besser als „bieder“, aber ich wollte auch nicht zu agressiv sein. Natürlich kann auch ein Film kein „Hemmschuh“ (von Hindernis habe ich nicht gesprochen) für ein neues Institut sein, das habe ich ja gerade so beschrieben. Ganz anders ist das aber mit Platzhirschen an einer etablierten Hochschule.
Ich denke, die aktuellen Entwicklungen um das NaWik sind interessanter. Die haben Sie hoffentlich auch gelesen. Ich bin gespannt auf das, was Carsten Könneker aufbauen wird.

Also ich war auf der Homepage von diesem InsideScience-Projekt und fand da keine altbackene Sachen. Da gibt es zum Beispiel einen Tollen Film über die Geschichte humanoider Roboter: http://www.youtube.com/watch?v=55LoSguff2w
Ich denke vielmehr, die produzieren nützliche Inhalte. Vielleicht klären sie mir kurz, was Sie mit biederen Ergenissen meinen. So etwas wie die Sendungen von Heinz Haber aus den 60er? Die kann ich heute immer noch empfehlen. Und vor allem, wie könnte so ein Filmprojekt, das hier in Deutschland bislang völlig fehlte (in GB gibt es z.B. Sixty Symbols) ein Hindernis für die Einrichtung eines ganzen Instituts namens NaWik darstellen? Ehrlich gesagt, kann ich Ihnen nicht ganz folgen.

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