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Beruf Wissenschaftskommunikation Wissenschaft und Kommunikation

WissensWerte – im Umbruch

Ein Gastbeitrag von Franz Miller

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Urgestein der Wissenschaftskommunikation: Franz Miller (Foto: Fraunhofer)

Das war sie also – die zehnte WissensWerte – ganz ohne Jubiläumsfeier, Protestaktionen und Zukunftsangst. „Wohl eine der besten“, meinte Prof. Holger Wormer, der mit Holger Hettwer und Franco Zotta für die Programmplanung verantwortlich ist, beim abschließenden Get-together. Erstaunlich, wie viele nicht hektisch davonlaufen – es ist immerhin schon fast sieben Uhr, sondern sich noch einmal zusammenfinden, um bei Brezn und Bier noch ein paar Gedanken auszutauschen, vor allem aber sich von alten und neuen Bekannten zu verabschieden. Da ich selbst von Anfang an dabei war, kenne ich natürlich viele Gesichter, die sich zum Abschied hinterherrufen: „Bis zum nächsten Jahr in Magdeburg“. Das zeigt: Die WissensWerte erfüllt ihre Rolle als Treffpunkt recht gut, inzwischen hat sich aus unterschiedlichen Teilnehmergruppen eine Community gebildet, die bei allen Differenzen einen fruchtbaren – und oft auch freundschaftlichen – Austausch pflegt.

Doch wird die WissensWerte auch ihrer Rolle als Trendsetter gerecht. Der Eröffnungsvortrag von Curtis Brainard und Diskussionsforen zum Thema „Wie retten wir den Journalismus?“ sollten neue Perspektiven eröffnen. In Workshops wurde das Dauerproblem der Freien Journalisten, die „Selbstvermarktung“, bearbeitet und in neue Methoden wie „Data Checking“  eingeführt. In der Podiumsdiskussion zur leidigen Forderung vieler Forscher nach „Gegenlesen“ und „Autorisieren“ stellte Patrick Illinger, Ressortleiter Wissenschaft bei der Süddeutschen Zeitung, unmissverständlich klar, dass er seinen Autoren kein „Gegenlesen“ erlaube. Es werden allenfalls wörtliche Zitate autorisiert. Die Wissenschaftler begründen ihren Wunsch, die Artikel vor der Veröffentlichung zu lesen, meist mit dem Hinweis, fachliche Fehler zu vermeiden, die nicht nur der Zeitung, sondern auch ihrem Ruf als Experten schadeten.

Was dürfen Wissenschaftler, was dürfen Journalisten?

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Kein Gegenlesen – Teilnehmer der WissensWerte in Bremen. (Foto: Rathke)

So naheliegend die Forderung auch sein mag, so sehr würde ein Gegenlesen elementare journalistische Prinzipien verletzten, erklärte Illinger. Denn kein Leser möchte Artikel lesen, die von den Betroffenen korrigiert wurden. Und in diesem Punkt „kein Gegenlesen“ war sich das Podium auch einig, auf dem Iris Lehmann vom Max Rubner Institut und ich für die Fraunhofer-Gesellschaft die Meinung der Forschungssprecher vertraten. Martin Schneider, der Vorsitzende der Wissenschaftspressekonferenz, regte an, dies in einer Charta festzuhalten. Damit konnte zumindest in diesem Anliegen der Journalisten ein Konsens hergestellt werden. Dies den Wissenschaftlern beizubringen, wird aber noch viel Arbeit erfordern. Denn damit ist die Frage der Wissenschaftler nicht beantwortet, wie die Qualität im Wissenschaftsjournalismus gesichert werden kann und was sie dazu beitragen können. Das gibt sicher Diskussionsstoff für weitere Konferenzen.

Wissenswerte2013__klein_135357b63e8bec7478da4c22fc81116eUnter welchen großen Druck Journalisten geraten, wenn sie über brisante Themen schreiben, zeigten die Diskussion über Klimawandel ebenso wie Darstellung von Fallbeispielen „Medizinjournalisten unter Beschuss der Betroffenen“. Das macht uns Zuhörer betroffen, wenn wir erfahren, wie systematisch und hartnäckig die Autoren von missliebigen Beiträgen attackiert, bedroht und verfolgt werden. Bei aller Unterstützung, die sie von ihren Redaktionen und Verlagsjuristen erfahren haben, bleibt ein erhebliches persönliches Risiko.

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Auch angenehme Seiten – Wissenschaftsjournalisten bei Reiseerinnerungen. (Foto: Rathke)

Aktuelle Wissenschaftsthemen standen vor allem am zweiten Tag im Mittelpunkt. Das reichte von 3-D-Drucker über Big Neuroscience und Alternativen zu Tierversuchen bis hin zu „bröselnden Brücken“. Hier wurde nicht nur über Wissenschaft geredet, sondern mit den Wissenschaftlern diskutiert. Echte Forscher stellten ihre Ergebnisse vor. Das Interesse war groß, die Referenten gut ausgewählt. Die Vorträge waren erstaunlich kurz, verständlich und lebendig vorgetragen – zumindest in den Sessions, die ich selbst erleben konnte. Von den anderen hörte ich ähnlich positive Eindrücke, allein die Diskussion zum „Hype um Web 2.0“ muss wohl bei einigen nicht so gut angekommen sein. Auch das Forum junger Forscher am Nachmittag war letztlich gar nicht schlecht besucht. Die Vorstellung der Forscher auf der Bühne im großen Saal litt aber unter dem allgemeinen Kaffee-Geplauder, kaum jemand konnte oder wollte hören, was auf der Bühne gesprochen wurde. Schön, dass trotzdem noch ausreichend Interessierte die jungen Forscher an den Themeninseln befragten.

Zu große Nähe verzerrt – zu große Distanz aber auch

Aufschlussreiche Hinweise zur Beziehung zwischen Wissenschaft und Medien lieferten zwei Studien, die der Frage nachgingen, wie weit die „Medialisierung der Wissenschaft“ fortgeschritten ist. Dabei wurde auf der einen Seite 1600 Wissenschaftler und auf der anderen Seite 290 Journalisten befragt. Die Ergebnisse zeigen ein sehr differenziertes Bild der Beziehungen Wissenschaft-Medien. Prof.  Hans Peter Peters und Prof. Alexander Görke von der FU Berlin stellten die Projektergebnisse vor. Es lohnt sich die verschiedenen Aussagen im Detail anzuschauen, denn damit wird nicht nur vieles empirisch belegt, was wir vermuteten, sondern auch neue Einsichten eröffnet, die in dieser Form bisher noch nicht dargestellt wurden. Es gibt nämlich signifikante Unterschiede bei den Wissenschaften. Bestimmte Disziplinen sind sehr intensiv auf die Medien bezogen, während andere sehr weit entfernt sind. Einige Geisteswissenschaften, vor allem Historiker, Soziologen und Philosophen, aber auch die Wirtschaftswissenschaften sind am weitesten in der Medialisierung fortgeschritten. Die Naturwissenschaftler nutzen von sich aus die Medien viel weniger zur Selbstdarstellung. Die Praktiker auf dem Podium, Grit Kienzlen von DRadio Wissen und Gabor Paal vom Südwestrundfunk, ergänzten die Umfrageergebnisse durch eigene Erfahrungen.

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Zu große Nähe, zu große Distanz – Besucher der Wissenschafts-Ausstellung (Foto: Rathke)

Offensichtlich herrscht meist ein recht entspanntes Verhältnis zwischen Wissenschaftler und Medien vor. Nun klärt sich auch der Grund für neue Differenzen auf. Die Geisteswissenschaftler, die stark mit den Medien kooperieren, betrachten sich selbst als geistige Urheber und treten auch häufig als Autoren auf. Anders ausgedrückt, sie wollen ihr Wissen nicht ohne Gegenleistung und nur unter ihrer Kontrolle zur Verfügung stellen. Das ergibt dann ganz anders geartete Konflikte mit den Journalisten. Jedenfalls bieten die Umfragen viele Anregungen, die unterschiedlichen Beziehungsmuster weiter zu analysieren. Offensichtlich führt Nähe ebenso zu Verzerrungen wie große Distanz.

Ein Neuanfang 2014 in Magdeburg?

Die Frage von Cornelia Reichert „Quo Vadis Wissenswerte? – Kontaktbörse oder Insidertreff“ kann auch nach der zehnten WissensWerte nicht beantwortet werde. Sie wurde einmal – vor vielen Jahren, als in der Bertelsmannstiftung die Idee entstand – als Treffen der Wissenschaftsjournalisten geplant. Doch von Beginn an mussten aus Finanzierungsgründen Forschungsorganisationen und Unternehmen als Sponsoren gewonnen werden. Das führt zu regelmäßigen Eruptionen, weil die Journalisten Einfluss fürchten und – eigentlich – unter sich bleiben wollen. Da aber kein tragfähiges Geschäftsmodell nach dem Auslaufen der Stiftungsförderungen entwickelt wurde, stand die Wissenswerte vor dem Aus.

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Wissenschaft im Vordergrund – Die Journalisten in der Minderheit. (Foto: Rathke)

Wieder wurden die Forschungsorganisationen gebeten, einen erheblichen Teil zur Finanzierung beizusteuern. Damit konnte die Wissenswerte gerettet werden, doch mit den Jahren hat sich auch der Anteil der Teilnehmer immer stärker in Richtung Wissenschaft verschoben. In diesem Jahr waren wohl erstmals mehr Teilnehmer aus der PR als aus den Medien. Das Verhältnis sollte wieder deutlich umgedreht werden, sonst verliert die WissensWerte den Charakter des Journalistentreffens. Die wpk, so Martin Schneider, wird sich Gedanken machen, wie mehr Journalisten gewonnen werden können. Das Problem der Freien ist ein Doppeltes. „Wir müssen Teilnehmergebühren und Hotels selber bezahlen und verlieren auch noch zwei Arbeitstage“, kommentiert Gerhard Samulat. Auch die festangestellten Redakteure haben Probleme, weil die WissensWerte von vielen Verlagen nicht als Fortbildung anerkannt wird. Und genau die wären die gefragtesten Teilnehmer, denn es sind die Auftraggeber für die Freien Journalisten und die wichtigen Ansprechpartner für die Kommunikatoren.

Insgesamt ist auch die Zahl der Teilnehmer wieder unter die Zahl von 500 gefallen, die in den vergangenen zwei Jahren übertroffen wurde. „Trotzdem sind wir mit der Teilnehmeranzahl zufrieden“, meint Andrea Rohde von der Messe Bremen. Und der Kritik vieler Teilnehmer an der von Astrium gesponserten Abendveranstaltung hält sie entgegen: „Es ist nicht leicht Sponsoren zu finden.“ Und dann müsse man eben Zugeständnisse machen. Auch hier dasselbe Dilemma: Vielen Teilnehmern waren das zu viele Zugeständnisse, und dann konnte nicht einmal das Essen versöhnen.

Also gibt es einiges zu tun für die Organisatoren und die Programmplaner. Doch ich glaube, die Erkenntnis und die Bereitschaft sind da, die WissensWerte weiter zu entwickeln. Der neue Veranstaltungsort Magdeburg bietet die Chance, mit neuem Schwung neue Anreize zu setzen. Um weiteren Teilnehmerkreise unter den Journalisten zu gewinnen, sollten auch Referenten gewonnen und Themen aufgespießt werden, die noch nicht vertreten waren. Es sollten auch viel intensiver die Wünsche der bisherigen, aber auch der künftigen Teilnehmer abgefragt und berücksichtigt werden. So gut es ist, dass sich ein eingeschworener Kreis der Aktiven herausgebildet hat, so sehr ist es notwendig, diesen immer wieder zu öffnen für weitere Akteure.

Das Wunderbare: Tätiges Engagement

Das Beste der zwei Tage war die Abschlußrunde mit Marianne Koch und Alfred Thorwarth. Zwei Protagonisten, die Fernsehgeschichte mitgestaltet haben. Die Erinnerungen an die Anfänge des Wissenschafts- und Medizinjournalismus im Fernsehen lösten bei Koch und Thorwath ebenso wie beim Publikum große Heiterkeit aus. Und Thorwarth gab die Frage, was er den heutigen Journalisten für einen Rat geben könne, zurück: Das könne er nicht, denn die seien ja heute professionell ausgebildet und haben Journalismus studiert, er habe sich als Autodidakt alles selbst aneignen müssen. Geholfen habe ihm die Neugier und die Fähigkeit, Geschichten zu erzählen. Im Übrigen sollen sich die jungen Journalisten daran machen, neue Formate zu entwickeln und als trimediale Journalisten neue Wege einzuschlagen. Marianne Koch pflegt – auch mit 80 Jahren – noch den  Journalismus und steht in einer wöchentlichen Rundfunksendung Rede und Antwort, denn sie sieht ihre Aufgabe – gerade in Zeiten der Informationsüberflutung – darin, den Menschen verlässliche medizinische Informationen zu geben, die nicht von ökonomischen oder anderen Zwecken geprägt sind. Ein wunderbares Beispiel für das Engagement, WissensWert zu schaffen.

Franz Miller war bis vor wenigen Wochen Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Fraunhofer-Gesellschaft.  Er hat 25 Jahre Erfahrung in der Wissenschaftskommunikation und wird von seinen Kollegen und Journalisten wegen seiner Kompetenz und seiner Persönlichkeit geschätzt: Als erster wurde er gerade zum zweiten Mal zum Forschungssprecher des Jahres gewählt.

13 Antworten auf „WissensWerte – im Umbruch“

Zu dem Beitrag von Franz Miller ist inzwischen auch in anderen Blogs eine heftige Diskussion entbrannt. Dabei geht es über seinen Bericht zur Podiumsdiskussion über das „Gegenlesen“. Zum Beispiel beim Blog Relativ einfach von Markus Pössel oder beim Blog cafephilosophique.org von Frank Stäudner.

Zur Klarheit will ich hier auch noch einmal meinen Kommentar bei „Relativ einfach“ wiederholen:

Als langjähriger Wissenschaftsjournalist (30 Jahre) und andererseits als Berater von Wissenschaftlern zur Kommunikation (12 Jahre), möchte ich gern vermeiden, dass beide Seiten aneinander vorbeireden. Dabei sollten Emotionen und Polemiken vermieden werden, denn sonst hört keiner mehr dem anderen zu.
Die kritischen Anmerkungen von Markus Pössel zu der von Franz Miller in meinem Blog Wissenschaft kommuniziert dargestellten Podiumsdiskussion sind subjektiv logisch und schlüssig, aber sie geben die Sicht des einzelnen Wissenschaftlers wieder: Wie er sich Journalisten vorstellt, die Welt der Medien, die Leser usw. Nach den Regeln der deutschen Sprache (ein Fußball ist ein Ball, kein Fuß) gehören Wissenschaftsjournalisten aber nicht zur Wissenschaft, sondern zu den Journalisten und müssen deren Normen gerecht werden, dazu gehören etwa Unabhängigkeit, Kritikfähigkeit und Sorgfalt. Das erwarten auch die Leser/Zuschauer von ihnen. Korrektheit gehört übrigens nicht zu den journalistischen Normen, im Gegensatz zur Wissenschaft, sondern Sorgfalt! Zur Unabhängigkeit gehört auch, dass die Journalisten bestimmen, was veröffentlicht wird, nicht die Informanten.
Aus all dem ergibt sich, dass es dem Journalisten obliegt, ob er im Rahmen der Sorgfalt einen Informanten bittet, einen Text, ein Zitat oder einen Textabschnitt gegenzulesen. Das hat sich bei Wortlaut-Interviews sinnvollerweise eingebürgert, die „Autorisierung“. Bei allen anderen Texten aber kann dies der Wissenschaftler nicht fordern, er kann bei einer vertrauensvollen Zusammenarbeit vielleicht darum bitten, und er kann es anbieten. Ich empfehle den Forschern, die ich unterstütze, es bestenfalls (je nach Interviewer mehr oder weniger vorsichtig) anzubieten. Aber ich bereite meine Wissenschaftler entsprechend auf das Interview vor, erkundige mich über den Journalisten, worüber er in der Vergangenheit geschrieben hat, lese einzelne Texte von ihm, ersehe daraus den Tiefgang, die Qualität und stelle meinen Forscher entsprechend ein, was ihn erwartet und wie er damit umgehen soll.
Alle anderen Vorgehensweisen sind nicht praktikabel oder verstoßen schlicht gegen die im Grundgesetz vorgesehenen Freiheiten von Wissenschaft und Presse (auch wenn Wissenschaftler von Fachartikeln anderes gewohnt sind, wie Katrin Rübberdt oben richtig anmerkt). Nach meiner Erfahrung als Journalist bleibt es nicht bei der Korrektur von Fakten, ganz abgesehen, dass man Fakten so und so darstellen kann, dass es auch in der Wissenschaft keine einheitliche Sicht der Fakten gibt (was habe ich Ärger gehabt, wenn ich in einem Artikel zwei Seiten der gleichen Disziplin zu Wort habe kommen lassen), und die eigene Überzeugung, schließlich die Emotionen, gehen ganz schnell auch mit Wissenschaftlern durch (sie sind – glücklicherweise – auch nur Menschen, was man spätestens merkt, wenn man sie ein Porträt gegenlesen lässt).
Mein Fazit: Kein grundsätzliches Ja oder Nein zum Gegenlesen, aber es liegt in der Verantwortung des Journalisten im Rahmen seiner Sorgfalt, ob er es für nötig hält oder nicht. Und es ist ein Beispiel, wie Wissenschaftler profitieren können, wenn sie von professionelle Kommunikatoren unterstützt werden, wie Franz Miller.

Dem kann ich nur zustimmen.
Qualität sollte für Wissenschaft und Journalismus das oberste Gebot sein.

Leider gibt es wohl unterschiedliche Definitionen für Qualität im Journalismus.

Die folgende Aussage zeigt mir, dass die Wissenschaft beim Umgang mit Journalisten deutlich selbstkritischer mit ihrer eigenen Rolle umgeht, als viele Unternehmen:

„So naheliegend die Forderung auch sein mag, so sehr würde ein Gegenlesen elementare journalistische Prinzipien verletzten, erklärte Illinger. Denn kein Leser möchte Artikel lesen, die von den Betroffenen korrigiert wurden.“

Ich denke da nur an Martin Sonneborn und sein Interview bei der Deutschen Bank.

Danke dafür, Herr Miller

Wir haben ausführlich diskutiert, dass die Forderung „kein Gegenlesen“ den Zusatz „außer in Sonderfällen“ erhalten muss und viele Formen der Abstimmung mit Wissenschaftlern einschließt. Es sollte nur im Normalfall gelten, dass der fertige Text nicht dem Wissenschaftler vorgelegt wird. Man kann einzelne Fakten oder wörtliche Zitate überprüfen lassen. In Deutschland ist es auch üblich, Interviews autorisieren zu lassen. Ich kann die Gründe der Journalisten aber nach vollziehen, dass eine Verpflichtung zum „Freigebenlassen“ der Artikel nicht akzeptabel ist. Es widerspricht dem Prinzip des unabhängigen Journalismus und den Arbeitsabläufen der Medien – wir hätten in den Tageszeitungen überall leere Flecken, weil Texte nicht rechtzeitig freigegeben wurden. Richtig bleibt dennoch der Einwand der Wissenschaftler, dass man damit Fehler vermeiden könnte. Also müssen andere Wege gefunden werden, die Qualität sicherzustellen. Weil Fehler den Medien ebenso wie der Wissenschaft schaden, ist es eine gemeinsame Aufgabe. Sie ist nicht durch gegenseitige uneinlösbare Forderungen zu bewältigen.

Wir haben ausführlich diskutiert, dass die Forderung „kein Gegenlesen“ den Zusatz „außer in Sonderfällen“ erhalten muss und viele Formen der Abstimmung mit Wissenschaftlern einschließt. Es sollte nur im Normalfall gelten, dass der fertige Text nicht dem Wissenschaftler vorgelegt wird. Man kann einzelne Fakten oder wörtliche Zitate überprüfen lassen. In Deutschland ist es auch üblich, Interviews autorisieren zu lassen. Ich kann die Gründe der Journalisten aber nach vollziehen, dass eine Verpflichtung zum „Freigebenlassen“ der Artikel nicht akzeptabel ist. Es widerspricht dem Prinzip des unabhängigen Journalismus und den Arbeitsabläufen der Medien – wir hätten in den Tageszeitungen überall leere Flecken, weil Texte nicht rechtzeitig freigegeben wurden. Richtig bleibt dennoch der Einwand der Wissenschaftler, dass man damit Fehler vermeiden könnte. Also müssen andere Wege gefunden werden, die Qualität sicherzustellen. Weil Fehler den Medien ebenso wie der Wissenschaft schaden, ist es eine gemeinsame Aufgabe. Sie ist nicht durch gegenseitige uneinlösbare Forderungen zu bewältigen.

Leider konnte ich selbst nicht an diesem Diskussionsforum teilnehmen. Ich habe aber hinterher mehrere Gesprächspartner gefragt, wie die anderen Veranstaltungen gelaufen sind.
Übereinstimmend sagten alle, die ich gefragt habe, Web 2.0 sei wohl nicht so gut angekommen. Allerdings habe ich nicht intensiv nach den Gründen nachgefragt. Ich wollte ja nur ein allgemeine Einschätzung. Einzelheiten der Kritik oder die Namen der Gesprächspartner möchte ich deshalb nicht öffentlich machen. Besser ist, wenn Sie mit den Programmplanern Hettwer und Zotta sprechen, denn die werden Ähnliches gehört haben.

Leider konnte ich selbst nicht an diesem Diskussionsforum teilnehmen. Ich habe aber hinterher mehrere Gesprächspartner gefragt, wie die anderen Veranstaltungen gelaufen sind.
Übereinstimmend sagten alle, die ich gefragt habe, Web 2.0 sei wohl nicht so gut angekommen. Allerdings habe ich nicht intensiv nach den Gründen nachgefragt. Ich wollte ja nur ein allgemeine Einschätzung. Einzelheiten der Kritik oder die Namen der Gesprächspartner möchte ich deshalb nicht öffentlich machen. Besser ist, wenn Sie mit den Programmplanern Hettwer und Zotta sprechen, denn die werden Ähnliches gehört haben.

„Die Wissenschaftler begründen ihren Wunsch, die Artikel vor der Veröffentlichung zu lesen, meist mit dem Hinweis, fachliche Fehler zu vermeiden, die nicht nur der Zeitung, sondern auch ihrem Ruf als Experten schadeten.“

Diesen Wunsch halte ich offen gesagt für völlig nachvollziehbar – wenn dies mit dem journalistischen Berufsethos kollidiert, muss in der Praxis einfach ein Workaround gefunden werden – eine Totalverweigerung kann hier doch unmöglich zielführend sein. Die Alternative – dass viele Wissenschaftler/innen kaum noch mit Journalisten sprechen oder aber, wenn sie es tun, sich dabei unwohl fühlen – kann schließlich kaum wünschenswert sein…

„Die Wissenschaftler begründen ihren Wunsch, die Artikel vor der Veröffentlichung zu lesen, meist mit dem Hinweis, fachliche Fehler zu vermeiden, die nicht nur der Zeitung, sondern auch ihrem Ruf als Experten schadeten.“

Diesen Wunsch halte ich offen gesagt für völlig nachvollziehbar – wenn dies mit dem journalistischen Berufsethos kollidiert, muss in der Praxis einfach ein Workaround gefunden werden – eine Totalverweigerung kann hier doch unmöglich zielführend sein. Die Alternative – dass viele Wissenschaftler/innen kaum noch mit Journalisten sprechen oder aber, wenn sie es tun, sich dabei unwohl fühlen – kann schließlich kaum wünschenswert sein…

Danke für diesen Beitrag! Da ich an der Diskussion zum Hype Web 2.0 beteiligt war, interessiert es mich natürlich, was von dieser Diskussion nicht so gut angekommen sein mag. Vielleicht lag es schlicht am Titel, dem sich wohl keiner von uns Panelisten beugen wollte. So kam es eben nicht zum Niederreden des Web 2.0, sondern zu einer Ausdifferenzierung. Jedenfalls war der Saal von Anfang bis Ende übervoll.

Danke für diesen Beitrag! Da ich an der Diskussion zum Hype Web 2.0 beteiligt war, interessiert es mich natürlich, was von dieser Diskussion nicht so gut angekommen sein mag. Vielleicht lag es schlicht am Titel, dem sich wohl keiner von uns Panelisten beugen wollte. So kam es eben nicht zum Niederreden des Web 2.0, sondern zu einer Ausdifferenzierung. Jedenfalls war der Saal von Anfang bis Ende übervoll.

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