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Auf der Suche nach Orientierung – Treffpunkt Wissenschaftskommunikation München #WisskomMUC

 

Orientierungspunkte setzen in einer Informationsexplosion: Standortbestimmung Wissenschaftskommunikation. (Foto: dlritter/freeimages.com)

Blogautor Wissenschaft kommuniziertEines ist unumstritten: Für eine breite Öffentlichkeit gibt es heute mehr Informationen aus und über Wissenschaft denn je. Es besteht kein Mangel. Das Internet, spezieller das World Wide Web WWW, machts möglich: Jeder, ob Forscher, Wissenschaftsinstitution, kundiger Journalist oder interessierter Bürger, ja selbst Zweifler und Verleugner von wissenschaftlichen Fakten, kann alle Informationen und Einsichten, die ihm für die Allgemeinheit wichtig erscheinen, ins Web stellen und erreicht damit ein weltweites Publikum: Gleichgesinnte und Kontrahenten, die wiederum ihre Sicht – weltweit sichtbar – im Internet dazu äußern. Social Media nennt sich das Ganze. Was entsteht, ist eine Kakophonie von Fakten, Meinungen, Einordnungen unterschiedlichster Ausrichtung, wo alles gleichwertig nebeneinander steht. Ein Beispiel findet, wer einmal in Google das Wort „Klimawandel“ eingibt.

„TreffpunktWissenschaftskommunikation München“: Wissenschaftskommunikation im Wandel.

Wer hier unvoreingenommen Orientierung sucht für die eigene Meinung, für eigenes Handeln, erleidet Schiffbruch. Die öffentliche Meinung – so wird immer deutlicher – und mit ihr die proklamierte Überzeugung von Politikern und Staatschefs, spaltet sich auf in die unterschiedlichsten Sichtweisen, die sich widersprechen, die – da mit unmittelbaren Auswirkungen für ihre Wähler oder Aktionäre verbunden – zum Teil erbittert gegeneinander kämpfen – nicht immer nur mit rechtschaffenen Mitteln. Und oft genug auch dabei auf die Unterstützung von Wissenschaftlern bauen.

Das ist die Situation, mit der sich die Wissenschaftskommunikation heute konfrontiert sieht. Und es scheint, als ob wir in dieser Entwicklung erst ganz am Anfang stehen, als ob die schlimmsten Folgen dieser Entfremdung von Wissenschaft und Gesellschaft uns noch bevorstehen.

Zeit für eine Standortbestimmung der Wissenschaftskommunikation, um vielleicht wieder etwas festen Boden unter die Füße zu bekommen: Der jüngste „Treffpunkt Wissenschaftskommunikation München“ #WisskomMUC im acatech-Forum der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften hat dies versucht. Anstoß dazu war (glücklicherweise) kein Skandal, kein großes Papier zur Kommunikation, sondern die kluge und sorgfältig vorbereitete Bachelorarbeit der Studentin Helena Gennutt, die sie an der Hochschule München anfertigte: „Wissenschaftskommunikation im Wandel“. Die Ergebnisse und ihre Schlußfolgerungen führten beim „Treffpunkt“ zu einer grundlegenden und offenen Diskussion, die in einer Stunde natürlich nicht alle Probleme ansprechen oder gar lösen konnte, die vielleicht aber doch für die teilnehmenden Wissenschaftskommunikatoren einige Probleme klarstellen konnte – die Voraussetzung, um sie gezielt aufzugreifen.

Ehrung für die „Forschungssprecher des Jahres 2019“

Auszeichnung: Die „Forschungssprecher des Jahres 2019“ (v.l. Jörg Nitschke, Blogger Reiner Korbmann, Jens Rehländer) mit ihren Urkunden.

Doch der Reihe nach: Zunächst war der „Treffpunkt“ ein guter Anlass, die frisch gewählten „Forschungssprecher des Jahres 2019“ auszuzeichnen. Jens Rehländer, Leiter der Kommunikation der VolkswagenStiftung und „Forschungssprecher des Jahres 2019“ in der Kategorie Forschungsorganisationen und Stiftungen, und Jörg Nitschke, Konzernpressesprecher der Carl Zeiss AG und „Forschungssprecher des Jahres 2019“ in der Kategorie Industrie und andere Unternehmen, waren eigens nach München gekommen, um an der Standortbestimmung teilzunehmen und um die Urkunden in Empfang zu nehmen, die ihre neue Ehre dokumerntieren. Dr. Anne Rother, die Leiterin der Kommunikation des Forschungszentrums Jülich und gewählte „Forschungssprecherin des Jahres 2019“ in der Kategorie konnte leider nicht zu der kleinen Zeremonie nach München kommen. Für die Preisträger des online-Publikumspreises (Ralf Röchert, Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven, Markus Weißkopf, Wissenschaft im Dialog (WiD) und Dr. Katrin Schwabe, MSD Sharp&Dohme), die später gewählt wurden, war die Zeit ohnehin zu kurz um zu disponieren.

„Forschungssprecherin des Jahres 2019“: Dr. Anne Rother (Jülich) konnte in München nicht mit dabei sein.

Doch nun zur Standortbestimmung. Dazu erst einmal ein Blick in die Arbeit von Helena Gennutt, die sie beim „Treffpunkt“ präsentierte. Sie befragte Wissenschaftler, Wissenschaftsjournalisten und Wissenschaftskommunikatoren. So sehr sie sich bemühte, eine repräsentative Zahl zur Beteiligung zu bewegen (bei den Wissenschaftlern beschränkte sie sich aus praktischen Gründen von vornherein auf die Professoren der Hochschule München, die auch den Auftrag für die Umfrage gegeben hatte), es antworteten nicht genug, aber immerhin über 250. Also keine repräsentativen Ergebnisse der Umfrage, interessant und neu waren die Antworten dennoch, zum einen weil alle drei Berufsgruppen die gleichen Fragen vorgelegt bekamen, zum anderen weil sie auch befragt wurden, was sie von den jeweils anderen erwarten.

Ein paar interessante Ergebnisse (die vollständige Präsentation und ein Link zur Bachelorarbeit sind in der Facebookgruppe „Treffpunkt Wissenschaftskommunikation München“ #WisskomMuc zu finden): Etwa, was Wissenschaftsler von Journalisten erwarten – vor allem „eine anspruchsvolle und nicht sensationslüsterne Arbeitsweise“ sowie – an zweiter Stelle – dass „Wissenschaft kritisch hinterfragt und verschiedene Perspektiven aufgezeigt werden“. Man könnte dies auch seriöse, kritische Einordnung der wissenschaftlichen Arbeit nennen. Und was erwarten die Wissenschaftler von den Kommunikatoren im eigenen Haus: Vor allem „Unterstützung bei der externen Wissenschaftskommunikation“ sowie „Beratung bei der Platzierung von Forschungsthemen in der allgemeinen Presse“, oder anders gesagt einen Sparringspartner, der sie mit Rat und Tat unterstützt.

Was erwarten Wissenschaftler, Journalisten und Kommunikatoren voneinander?

Und was erwarten die Journalisten? Von den Wissenschaftlern vor allem eine „Offenheit für die populärwissenschaftliche Aufbereitung von Wissenschaft“, erst weit dahinter (es handelt sich schließlich um Wissenschaftsjournalisten) „ein verständliche Aufbereitung von Forschungsergebnissen“. Gibt es bei der Offenheit etwa einen Mangel? Deutet das auf zu wenig Verständnis für die Bedeutung von Kommunikation  in der Wissenschaft hin? Und was erwarten sie von den Wissenschaftskommunikatoren: Zunächst einmal, dass sie die Arbeitsweise von Journalisten kennen – eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Und dann, dass sie einen Überblick über die Forschungsthemen und die Experten ihrer Institution haben – mindestens ebenso selbstverständlich. Man könnte auch zusammenfassen: Nicht mehr oder weniger als Professionalität.

Breite Fragestellung: Die Gründe, weshalb Wissenschaftler mit der breiten Öffentlichkeit kommunizieren. (Aus der Arbeit von H. Gennutt)

Und die Wissenschaftskommunikatoren, wo drückt sie der Schuh? Zuvorderst erwarten sie von Journalisten „eine anspruchsvolle und nicht sensationslüsterne Arbeitsweise“ – da treffen sie sich mit ihren Dienstherren, den Wissenschaftlern. Kurz danach aber auch schon „Interesse an den Themen der Wissenschaftler“ – und darauf werden sie – wenn die Medienkrise und damit die Krise des Wissenschaftsjournalismus anhält – mehr und mehr verzichten müssen. Es sei denn, es gelingt ihnen selbst, das Interesse der Journalisten zu wecken. An die Wissenschaftler aber haben sie gleich drei Erwartungen, die ihnen etwa gleich wichtig sind: Dass sie „Kommunikation mit Laien als wichtigen Bestandteil ihrer Arbeit“ als Forscher sehen, dass sie offen sind „gegenüber der populärwissenschaftlichen Aufbereitung von Wissenschaft“ und – last but not least – dass sie die Kommunikatoren „als Partner“ anerkennen.

Mehr Kommunikation in die Wissenschaft hinein

Zu oft ist der Kommunikator offensichtlich noch immer nur subalterner Erfüllungsgehilfe. Was erstaunt. Denn andererseits erwarten ja gerade die Wissenschaftler von ihm – wie ihre Antworten in dieser Umfrage zeigen – vor allem Unterstützung und Beratung. Findet da genug Austausch über das jeweils eigene Rollenverständnis statt? Und genau auf diesen Punkt hebt die Bachleorstudentin Helena Gennutt in ihrer ersten Empfehlung ab: „Abhilfe schaffen könnte mehr Kommunikation der Pressestelle mit der Scientific Community, um dieser die mit dem Wandel (der Wissenschaftskommunikation) einhergehenden neuen Kanäle und Formate näher zu bringen und deren Einsatz in der Wissenschaftskommunikation beispielhaft aufzuzeigen. Auf diese Weise lassen sich vorhandene Vorurteile abbauen, die Akzeptanz unter den Wissenschaftlern steigern und Transparenz bezüglich der Arbeit der Kommunikationsabteilung schaffen.“

Eine zweite, sehr ernst zu nehmende Empfehlung betrifft die Organisation von Pressestellen: Häufig sind die einzelnen Mitarbeiter in der Kommunikation für bestimmte Kommunikationskanäle zuständig: Online, Video, Presse etc. Sowohl von Wissenschaftlern als auch von Journalisten aber werden Themenbeauftragte bevorzugt, da sie vor allem ihre inhaltliche Kompetenz ausspielen können. Der Trend der Organisation in Pressestellen, so hat Helena Gennutt beobachtet, geht zu Themen-Spezialisten. In der Praxis sind aber noch immer Kanal und Themen-Beauftragte gleichermaßen vertreten.

Soweit das Impulsreferat der Bachelorstudentin Helena Gennutt. Tatsächlich zeigt sie ein Talent für die Science of Science Communication, sowohl in der Klarheit ihrer Darstellung, in der Sorgfalt der Vorbereitung, in der Breite der Fragestellung, in ihrem Fleiß mit ungeheuren Datenmengen gut umzugehen und für distanzierte Sicht und Mut bei den Schlussfolgerungen, die sie zieht, und denen sie den zutreffenden Titel ihrer Arbeit verdankt: „Wissenschaftskommunikation im Wandel“.

Im Anschluss ging es um „Standortbestimmung“: Vor allem drei Punkte, angeregt durch die Umfrage und die Schlussfolgerungen der Bachelorarbeit, zogen sich durch die Diskussion: Das Verhältnis der Wissenschaftskommunikation bzw. der Kommunikationsabteilungen zu den Pressestellen, die Rolle von Journalisten, insbesondere den Wissenschaftsjournalisten, und die Rolle der Wissenschaftskommunikation für die Gesellschaft. Mit auf dem Podium, neben der Studentin Helena Gennutt, ihre Professorin für Technische Kommunikation an der Hochschule München, Prof. Anke van Kempen, die Wissenschaftsjournalistin Monika Weiner und der Pressesprecher der Universität der Bundeswehr München, Michael Brauns – Vertreter der drei von Helena Gennutt befragten Berufsgruppen.

In ihren Empfehlungen riet die Studentin ja den Pressestelllen/Kommunikationsabteilungen, sich mehr um die Wissenschaftler des eigenen Hauses zu kümmern, die interessiert sind, aber sich auch ein wenig allein gelassen fühlen. „Interner Dialog“ nannte sie dies, etwa Unterstützung durch ein Angebot von Medientraining. Pressesprecher Michael Brauns stimmte voll zu: „Man muss sich den Wissenschaftlern erklären“, was man für die Wissenschaftler tue und wie sie sich selbst einbringen können.

Er lädt jedes Jahr die Wissenschaftler seiner Hochschule zu Vortrag und Gesprächen ein, versucht daneben aber ständig mit ihnen weiter im Gespräch zu bleiben, um zu vermeiden, dass sie die Wissenschaftskommunikation nur punktuell wahrnehmen. Es gehe nicht nur um Forschungsergebnisse, sondern auch um Beiträge der Experten aus der Wissenschaft zu aktuellen Themen, wie Klimawandel, Murenabgänge oder ähnliche globale oder lokale Entwicklungen. Außerdem spielt er die Kommunikation nach Außen auch regelmäßig zurück in die Hochschule, etwa durch „Sendehinweise“, Rundmails in denen Auftritte von eigenen Forschern in Fernsehen oder Hörfunk angekündigt werden.

Standortbestimmung beim „Treffpunkt Wissenschaftskommunikation: v.l. Prof. van Kempen, Helena Gennutt, Reiner Korbmann, Monika Weiner, Michael Brauns, Jens Rehländer.

„Man muss sich natürlich immer wieder die Frage stellen“, meinte der Kommunikator, „tue ich genug?“ Es gelte, kritisch in den Spiegel zu schauen, Gewohnheiten zu durchbrechen und den Wandel – wie etwa den gewachsenen Kommunikationsbedarf – anzunehmen.

Welche Rolle lässt die Medienkrise den Journalisten?

Breiten Raum nahm an diesem Abend wieder die Rolle der Journalisten beziehungsweise der klassischen Medien ein. Monika Weiner, Wissenschaftsjournalistin, die heute längst neben dem Journalismus auch für Public Relations arbeitet, beklagte, dass nicht mehr genug Geld in den Etats der Verlage und Funkhäuser vorhanden ist. „Aber Mann oder Frau muss leben!“ Die Bedeutung des Journalismus als Türöffner für Informationen nehme immer mehr ab.

Die Diskussion wurde im Stil einer Fishbowl-Diskussion geführt, mit einem leeren Stuhl, den jederzeit jemand aus dem Publikum besetzen und teilnehmen konnte. Christina Kaufmann, Leiterin Kommunikation der Hochschule München, nutzte diese Gelegenheit als erste. Sie bestätigte die Sicht der Wissenschaftsjournalistin von der anderen Seite des Tisches: „Wissenschaftsjournalisten sind nicht mehr die einzige Säule, auf die wir uns stützen, um die Öffentlichkeit zu erreichen.“ Die Kommunikation habe sich vielmehr stark differenziert auf verschiedene Kanäle und Zielgruppen, wodurch auch die Zahl der Mitarbeiter in der Kommunikationsabteilung – der Name Pressestelle ist Vergangenheit – stark gewachsen ist. Die Zahl der Wissenschaftsjournalisten dagegen sei geschrumpft. „Viele von ihnen haben wir jetzt auf unserer Seite.“

Prof. van Kempen warf ein, dass in anderen Themenfeldern jetzt „Influencer“ – also Publizierende, die gehört werden – die Rolle von Journalisten im Internet übernommen haben. Es gehe darum, „Themen zu finden und zu kuratieren, sie zu recherchieren und dann zu verbreiten“. Zwar sei Wissenschaft zu kuratieren schwieriger als Lippenstifte, daher hänge diese Entwicklung in der Kommunikation von Wissenschaft im Internet noch hinterher. „Influencer verdienen Geld“, versuchte sie die Wissenschaftsjournalisten im Saal zu überzeugen. Doch Wissenschaftsjournalistin Monika Weiner zweifelte: Die Frage bei Influencern und neuen Kommunikationskanälen sei doch, wer es finanziert, etwa bei Influencern derjenige, über den berichtet wird? „Für mich als Journalistin stellt sich da die Frage: Will ich so leben?“

Das Ende der klassischen Medien?

Schließlich versuchte sich die Kommunikations-Professorin in einem Zukunftsszenario der Medienlandschaft, wenn die Digitalisierung sich so weiter entwickelt wie bisher (und nichts spricht dagegen): Die Kanäle und Formate der Kommunikation werden sich ändern, „die klassischen journalistischen Medien wird es nicht mehr geben“. Die Frage sei doch, ob das überhaupt zu verhindern ist. „Das Berufsbild der Journalisten muss sich ändern, sonst haben wir sie eines Tages nicht mehr.“ Und setzte trotzig, wie verzweifelt hinzu: „Aber ich will das auch in Zukunft haben!“

Die Journalistin Fabienne Huebener zog die Schlußfolgerung: Es geht um die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle für Qualitätsjournalismus in Zeiten der Medienkrise oder sogar des Untergangs der klassischen, journalistischen Medien.

Jens Rehländer, frisch gekürter „Forschungssprecher des Jahres 2019“, fasste das Dilemma in einem geradezu klassischen Satz zusammen: „Freier Journalismus ist eine Leistung, die man sich leisten können muss.“ Es gebe in Deutschland keinen freien Wissenschaftsjournalisten mehr, der nur von Journalismus leben kann. Jeder benötige zusätzliche Verdienstquellen nebenher. Er machte zusätzlich aber klar, dass die Krise der klassischen Medien nicht die Ursache ist. Die Ursache liege bei einem Publikum, das die klassischen Medien nicht mehr oder immer weniger nutzt und in Zukunft immer weniger nutzen wird. Die großen Verlage – er nannte als Beispiel den Umbau des Springer-Verlags – hätten das bereits erkannt. Für sie sei Journalismus „gelaufen“, sie schieben journalistische Produkte zur Seite, entledigen sich ihrer. „Darüber kann man jammern, aber es gibt bis heute kein Rezept dagegen.“

Wissenschaft muss Orientierungspunkte setzen

Damit war die Diskussion bei dem Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft. Michael Brauns von der Bundeswehr-Universität unterstrich dies noch: Wissenschaftsjournalismus sei ein wichtiger Faktor, „aber eine Hochschule ist der gesamten Gesellschaft verpflichtet“. Aufgabe der Wissenschaftskommunikatoren sei, die verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen zu erreichen, Journalisten seien ein Teil davon. Doch in welcher Rolle? Diese Frage blieb offen. Da nutzte Jörg Nitschke, ebenfalls frisch geehrter „Forschungssprecher des Jahres 2019“, die Gelegenheit des leeren Stuhls auf dem Podium: Er berichtete von seinem 15-jährigen Sohn, der im Internet nach Influencern sucht, der versucht, angesichts der verwirrenden Konstellationen in der Welt, der überbordenden Informationen im Internet, Einordnungen zu finden – gleichgültig ob von Wissenschaftsjournalisten, Wissenschaftlern oder jemandem anderen. Mangels anderer Kriterien dienen die Klickzahlen als Orientierung: Wenn die Klickzahlen hoch sind, glaubt man, es ist wahr.“

Nitschke beschrieb die Gesellschaft aus der Sicht des Publikums, der Mediennutzer, der Menschen, die es zu erreichen gilt. „Man sucht Orientierung.“ Doch gleichzeitig wächst die Oberflächlichkeit. „Die Wissenschaftskommunikation muss aufpassen, dass der Wissenschaftler als Experte, der Orientierung geben kann, in dieser Entwicklung nicht untergeht.“ Er beschrieb dies anhand der heranwachsenden Generation, die tatsächlich ja die Zukunft dieser Gesellschaft ist. Dass diese Generation ihr Informationsverhalten mit der Zeit ändert, ist eher nicht zu erwarten. „Die Frage stellt sich, wie wir erreichen, dass Wissenschaftler im Netz und in den Medien auch wirklich wahrgenommen werden um Orientierungspunkte für die Gesellschaft zu setzen, zu Experten, die dann auch über Google gefunden werden.“

Besser kann man die heutige und künftigeder Wissenschaftskommunikation für Wissenschaft und Gesellschaft kaum beschreiben. Eine Standortbestimmung, die zukunftsträchtig ist.

Der „Treffpunkt Wissenschaftskommunikation München“ #WisskomMUC

Der „Treffpunkt Wissenschaftskommunikation München“ #WisskomMUC ist eine Initiative dieses Blogs „Wissenschaft kommuniziert“. Er soll Aktive in der Wissenschaftskommunikation zusammenführen zum Erfahrungsaustausch, zum Vernetzen, zum Diskutieren über das eigene Tun, aber auch Wissenschaftler und Wissenschaftsjournalisten mit einbeziehen. Der „Treffpunkt Wissenschaftskommunikation“ wandert jedes Mal zu einer anderen der Münchner Wissenschaftsinstitutionen – Gelegenheit, andere Umgebungen kennenzulernen, andererseits das eigene Haus den Kollegen zu präsentieren. Großzügiger Gastgeber dieses „Treffpunkts“ war Akademie der Technikwissenschaften acatech. Sie lud die Kollegen auch zu einem anschließenden Get Together mit einem kleinen Imbiss ein. Die Organisation des Abends hatte Stefanie Bucher von acatech übernommen, Referentin für politische Kommunikation der acatech.

Die Präsentation von Helena Gennutt wie auch ihre komplette Bachelorarbeit sind über die Facebook-Gruppe „Treffpunkt Wissenschaftskommunikation München“ abrufbar. Dort können Sie gern auch Mitglied dieser Gruppe werden.

Wenn Sie interessiert sind, beim nächsten „Treffpunkt Wissenschaftskommunikation München“ dabei zu sein, senden Sie uns an die Mailadresse dieses Blogs eine kurze E-Mail. Wir nehmen gern neue Interessenten in den Verteiler auf.

 

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