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In eigener Sache – Zwölf Jahre sind genug.

R.Korbmann, Blogger für Wissenschaftskommunikation
Reiner Korbmann

Es war im Jahr 2008, als zum ersten Mal die “Forschungssprecher des Jahres“ gewählt wurden. Hintergrund waren die Anregung eines Pressesprechers aus der Industrie (der später nie zur Wahl stand) und meine Absicht, die Aufmerksamkeit auf einen Berufsstand zu lenken, der bis dahin vor allem viele negative Attribute auf sich vereinigte (etwa: geringes Ansehen im eigenen Haus, wenig professionelles Selbstbewusstsein oder fehlende Vorbilder für die eigene Arbeit). Es ging darum, die Wissenschaftskommunikatoren aufzuwerten – damals fast durchgehend „Pressesprecher“ genannt.

Ich organisierte also für das Magazin „Medizin&Wissenschaftsjournalist“, dessen Chefredakteur ich war, die Wahl der besten Forschungssprecher des Jahres. Mein ganzes Team und Kollegen aus dem Oberauer-Verlag, in dem das Magazin erschien, wurden dazu eingesetzt: Was sollten die Kriterien sein? Wie sollte die Wahl ablaufen, damit nicht nur die Kollegen großer Institutionen, sondern auch in kleineren Instituten eine Chance haben? Wer sollte wählen, wie kommt man an die Kontaktdaten, wer erfasst sie? Wie und wo werden die gewählten Kollegen geehrt, und wie macht man diese Auszeichnung bekannt?

Es geht um die „Forschungssprecher des Jahres“.

Inzwischen sind zwölf mal drei Kollegen, in den Kategorien „Forschungsinstitute und Hochschulen“, „Forschungsorganisationen und Stiftungen“ sowie „Industrie und andere Unternehmen“, als „Forschungssprecher des Jahres“ ausgezeichnet worden. Aufgerufen zur Wahl waren jeweils etwa 700 Wissenschaftsjournalisten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Inzwischen kam auch – seit 2012 – die offene Wahl zum „online-Publikumspreis“ in diesem Blog „Wissenschaft kommuniziert“ hinzu.

Die Reaktion war überraschend und zielte in die richtige Richtung: Zum ersten Mal bekamen die gewählten Kollegen von Außen dokumentiert, dass sie gute, professionelle Arbeit machen, das Ansehen bei ihren Chefs und in ihren Häusern stieg, plötzlich wurden sie nicht mehr nur als Erfüllungsgehilfen für die Pressearbeit gesehen, sondern als Experten für Kommunikation. Dass Wissenschaftskommunikation heute in den Institutionen einen deutlich höheren Stellenwert hat, als vor zwölf Jahren, ist sicher nicht in erster Linie auf diese Wahl und den Titel zurückzuführen. Aber dies hat vielleicht doch ein wenig dazu beigetragen.

Inzwischen sind aber auch zwölf Jahre vergangen. Die Zeiten haben sich geändert. Das Magazin „Medizin&Wissenschaftsjournalist“ erscheint seit Jahren nicht mehr, ich bin im Ruhestand, fördere aber als „Hobby“ – weil ich sie für die Wissenschaft für wichtig halte – die Wissenschaftskommunikation, ich habe seit Jahren kein Team mehr und keinen Verlag im Rücken. Ich merke, dass ich an meine Grenzen komme: Die Pflege der Journalistendatei, die Auswahl der Kandidaten, die Abwicklung der Wahl, die Auszeichnung der Gewählten – all das überfordert langsam einen Einzelkämpfer. Ich habe mich daher entschlossen, die Wahl der „Forschungssprecher des Jahres“ nur noch ein Mal durchzuführen, im Spätsommer dieses Jahres.

Die Zeit bis dahin will ich nutzen, um Reaktionen zu sammeln, um eventuell Kollegen oder eine Institution/Organisation zu finden, die die Aufgabe übernehmen wollen und können. Denn für wichtig erachte ich diese Wahl nach wie vor, auch wenn das Image der Forschungssprecher inzwischen deutlich besser geworden ist, auch wenn sich das professionelle Selbstbewusstsein entwickelt hat. Es ist wichtig für jeden Berufsstand, Leuchttürme aufzuzeigen, den Kollegen und den Vorgesetzten zu zeigen, wo gute Arbeit gemacht wird. Auch und vor allem als Vorbild und Ansporn für alle, die nicht gewählt werden. Deshalb werde ich auch im Blog die Wahl zum online-Publikumspreis fortsetzen.

Wichtig ist – wer immer die „Forschungssprecher des Jahres“ weiterführt – dass die Glaubwürdigkeit der Auszeichnung gewahrt wird. Darauf werde ich achten. Das soll jeder wissen, der mit mir Kontakt wegen der Weiterführung aufnehmen möchte. Es ist in seinem Interesse, in meinem, und im Interesse aller, die an guter, professioneller Wissenschaftskommunikation interessiert sind.

Meldet Euch.

1 Antwort auf „In eigener Sache – Zwölf Jahre sind genug.“

Lieber Rainer Korbmann,

vielen herzlichen Dank für diese sehr verdienstvolle Aufgabe, die Sie nun über 12 Jahre auf sich genommen haben und sogar ins Leben gerufen haben. Ich hatte die große Ehre, schon 2009 als erster Sprecher eine Universität als „Forschungssprecher des Jahres“ gewählt zu werden, und ich kann nur bestätigen, dass diese Wahl mir Anerkennung in und über die Grenzen der Universität hinaus eingebracht hat.

Ich hoffe sehr, dass Sie den/die richtigen Nachfolger für diese Aufgabe finden. Denn auch wenn inzwischen der Berufszweig der Pressesprecher an Hochschulen (und anderen Institutionen) aufgrund der Relevanz von Kommunikation mehr Aufmerksamkeit und Bedeutung gewonnen hat, so gibt es dennoch viele, denen diese Anerkennung bislang versagt bleibt, obwohl sie sie verdienen.

Herzliche Grüße und alles Gute für die Zukunft
Josef König

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